In Österreich haben wir gute Voraussetzungen, um Inklusion in der Hochschulbildung voranzubringen. Mit der Nationalen Strategie zur sozialen Dimension in der Hochschulbildung wird bereits seit 2017 die Frage adressiert, wer Zugang zu Hochschulbildung hat, unter welchen Bedingungen Studierende ihr Studium absolvieren und wie gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht werden kann.
Auch in Erasmus+ hat Inklusion einen hohen Stellenwert. Als nationale Agentur begleiten wir Hochschulen dabei, die europäischen Zielsetzungen in die Praxis zu übersetzen. Gleichzeitig verfügen wir mit der Studierenden-Sozialerhebung über eine wichtige Datengrundlage zu den sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen Studierende in Österreich studieren.
Wir haben also Strategien, Daten und Unterstützungsmaßnahmen. Trotzdem sollten wir uns immer wieder eine zentrale Frage stellen: Wen erreichen wir noch nicht?
Nicht jede Barriere lässt sich finanziell lösen
Zusätzliche finanzielle Unterstützung ist ein wesentliches Instrument, um Erasmus+ zugänglicher zu machen. Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass finanzielle Barrieren nur ein Teil des Bildes sind.
Ein Zuschuss macht ein unflexibles Curriculum nicht automatisch flexibler. Er löst keine Betreuungspflichten und beseitigt keine Schwierigkeiten bei Anerkennung, Barrierefreiheit oder Unterkunft. Und er erreicht möglicherweise jene Studierenden gar nicht, die Erasmus+ von vornherein nicht als eine Möglichkeit für sich wahrnehmen.Deshalb ist auch Kommunikation ein wichtiger Teil von Inklusion. Unterstützungsangebote können noch so gut sein, wenn Studierende sie nicht kennen, nicht verstehen oder sich in unserer Kommunikation nicht angesprochen fühlen, können sie ihre Wirkung nicht vollständig entfalten.
Andere Fragen stellen
Wenn wir über Teilhabe sprechen, sollten wir deshalb nicht nur fragen: Wie viele Studierende haben an Erasmus+ teilgenommen?
Mindestens ebenso wichtig ist die Frage, wen wir tatsächlich erreichen und wen nicht. Wer hat einen Auslandsaufenthalt in Betracht gezogen und sich dagegen entschieden? Wer hat den Prozess begonnen und wieder abgebrochen? Wer hat Erasmus+ für sich überhaupt nie in Erwägung gezogen? Und in weiterer Folge: Wo liegen hier die vielleicht auf den ersten Blick unsichtbaren Hürden?
Hinter diesen Situationen können ganz unterschiedliche Barrieren stehen. Finanzielle Gründe erfordern andere Antworten als curriculare Hürden. Und wenn Studierende Erasmus+ gar nicht erst als eine Möglichkeit für sich wahrnehmen, müssen wir möglicherweise bei Kommunikation und Ansprache ansetzen.
Genau deshalb reicht der Blick auf reine Teilnahmezahlen von Studierenden mit geringeren Chancen nicht aus. Wenn wir Erasmus+ inklusiver gestalten wollen, müssen wir auch besser verstehen, wer nicht teilnimmt und warum.
Inklusion braucht Zusammenarbeit
Aus unserer Arbeit mit den Hochschulen wissen wir auch: Inklusion kann nicht die Aufgabe einer einzelnen Stelle sein. International Offices kennen die Herausforderungen rund um Mobilität. Diversitäts- und Inklusionsabteilungen bringen Wissen über unterschiedliche Lebensrealitäten und Barrieren von Studierenden. Studienservices kennen finanzielle und soziale Herausforderungen, Fachbereiche wiederum curriculare Hürden. Studierendenorganisationen haben wiederum andere Perspektiven.
Entscheidend ist, dieses Wissen zusammenzubringen.
Ein Beispiel dafür ist die österreichische Inclusion ACAdemy. Aus einer gemeinsamen internationalen Erasmus+ Long Term Activity des OeAD mit Vertreter:innen zahlreicher Hochschulen ist ein Netzwerk entstanden, in dem sich Kolleg*innen aus International Offices sowie Diversity- und Inclusion-Stellen weiterhin austauschen. Gemeinsam möchten wir voneinander lernen, Erfahrungen teilen und daran arbeiten, Inklusion und Vielfalt in der internationalen Hochschulmobilität weiter voranzubringen. Wer Interesse hat, sich in diesem Netzwerk einzubringen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam Veränderungen anzustoßen, ist herzlich eingeladen, sich bei uns zu melden und mitzuwirken.